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Die alpine Stufenwirtschaft im Gebiet der Noble Contrée
Der jahreszeitliche Zyklus der Alpwirtschaft
In
der «Noble Contrée», der Region östlich von Crans-Montana,
folgte die alpine Stufenwirtschaft der Entwicklung der Vegetation
in den verschiedenen Höhenlagen. Der Winter wurde in den Dörfern
im Tal oder am Talhang verbracht. Im Frühling wurde das Vieh
zunächst auf die Maiensässe (Voralpen) und einige Wochen später
hinauf auf die Alpweiden gebracht, wo es von Juni bis September
blieb. Im Herbst ging es wieder hinunter auf die Maiensässe
und anschliessend für den Winter zurück ins Dorf. Manchmal
wurden die Kühe im November/Dezember nochmals auf die Maiensässe
gebracht, wo sie das im Sommer gemähte und dort gelagerte
Heu frassen. Im Dorf und auf dem Maiensäss kümmerten sich
die Familien selber um ihr Vieh. Auf der Alp hingegen wurden
die Herden von einer Alpgenossenschaft betreut. Dabei handelt
es sich um eine privatrechtliche Körperschaft, deren Gesellschafter
(im Wallis auch „Geteile“ genannt) Mitbesitzer der Alp sind,
die sie gemeinsam verwalten.
Im Dorf
Im Sommer mähte die Familie zuerst die Wiesen im Dorf und
begab sich anschliessend zum Heuen auf das Maiensäss. Danach
wurden die Wiesen gewässert, bevor sie Mitte August ein zweites
Mal gemäht wurden (Emd). Heuen war eine mühselige Arbeit,
da ein Teil des Heus ins Dorf hinuntergebracht werden musste,
wo es der Fütterung der Tiere im Winter diente. Das Vieh war
in Ställen untergebracht. Die Getreidefelder und die Wiesen
in Dorfnähe wurden im Laufe der Zeit durch die viel ertragreichere
Reben ersetzt.
Auf
dem Maiensäss
Die Familie hielt sich nur vorübergehend auf dem Maiensäss
auf. Sie schlief im ersten Stock über dem Stall, wo sich das
Vieh befand. Dieser Familienbesitz, der im Frühling und im
Herbst benutzt wurde, war von Weiden umgeben. Da die Bauern
in der Regel nur vier bis sechs Kühe besassen, wurde oft das
Vieh von zwei oder drei Familien zusammengelegt. Das Leben
der Bauern war voll ausgelastet: Sie mussten Streue für die
Kühe und Feuerholz für Küche und Haushalt sammeln, die Tiere
hüten, melken und abends in den Stall zurücktreiben sowie
Käse herstellen. Einige Wiesen wurden gemäht und ein Teil
des Heus wurde ins Dorf hinuntergebracht, während der Rest
an Ort und Stelle in Heuställen aufbewahrt und am Ende des
Herbstes an die Kühe verfüttert wurde. An einigen Orten wie
Aminona wurden in den Gemüsegärten bei den Maiensässen Kohlrabi
und Kartoffeln für den täglichen Gebrauch angepflanzt.
Cordona
Cordona ist ein besonderer Weiler. Es handelt sich um ein
unteres Maiensäss, das aber ganzjährig bewohnt wurde
(heute sind es nur noch zwei Dauerbewohner). Im Unterschied
zu den klassischen Maiensässen waren die Wohnhäuser von
Stall und Heustall getrennt. Bis in die 50er- und 60er-Jahre
wurden Getreidefelder, später Kartoffeln und Gemüse angebaut.
Die Produkte wurden in den zahlreichen Kellern im Dorf gelagert.
Das an Ort und Stelle eingelagerte Heu wurde von November
bis Weihnachten dem Vieh, das man dazu wieder vom Dorf heraufbrachte,
verfüttert.
Auf der Alp
Zwischen Mitte und Ende Juni verliess alles Vieh der Region die Maiensässe und zog auf die Alp, die oberste Stufe der alpinen Stufenwirtschaft. Die Kühe wurden dort von Angestellten gehütet.
Diese Form der gemeinsamen Bewirtschaftung entlastete
die Bauern, die nun heuen und sich den Arbeiten im Rebberg
widmen konnten. Heute ermöglicht sie den Kuhhaltern, einer
anderen hauptberuflichen Tätigkeit nachzugehen. Früher blieben
die Kühe nachts im Freien, aber seit den 70er-Jahren werden
die Kühe am Abend in die Gemeinschaftsställe gebracht, wo
sie bis zum Morgen bleiben. Im Unterschied zu den Maiensässen,
die Privatbesitz von ein oder zwei Familien sind, sind die
Alpen in der Noble Contrée Besitz der Alpgenossenschaften.
Die Genossenschafter stellen das Personal an und verteilen
die Produkte (Käse, Ziger, Butter) am Ende der Saison unter
die Miteigentümer.
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